WordPress ist das beliebteste Content-Management-System der Welt – über 40 % aller Websites basieren darauf. Während viele Nutzer auf Shared Hosting oder Managed-Angebote setzen, entscheiden sich immer mehr Website-Betreiber dafür, WordPress selber zu hosten. Ein eigener Virtual Private Server (VPS) bietet maximale Kontrolle, bessere Performance und vollständige Unabhängigkeit. In diesem umfassenden Leitfaden zeigen wir Ihnen bei fokus it solutions Schritt für Schritt, wie Sie WordPress auf einem VPS installieren und professionell betreiben.
Warum WordPress auf einem eigenen VPS hosten?
Bevor wir in die technische Umsetzung einsteigen, lohnt sich ein Blick auf die Vorteile des Self-Hostings. Ein VPS bietet gegenüber Shared Hosting entscheidende Vorteile, die besonders für wachsende Projekte, Online-Shops und Unternehmenswebsites relevant sind.
Volle Kontrolle über die Server-Umgebung
Auf einem eigenen VPS bestimmen Sie selbst, welche Software in welcher Version läuft. Sie können PHP-Versionen frei wählen, den Webserver konfigurieren (Apache oder Nginx), Caching-Lösungen wie Redis oder Memcached einrichten und Datenbank-Parameter exakt auf Ihre Bedürfnisse abstimmen. Diese Flexibilität ist bei Shared Hosting schlicht nicht möglich.
Dedizierte Ressourcen und Performance
Anders als beim Shared Hosting teilen Sie sich auf einem VPS keine Ressourcen mit hunderten anderen Websites. CPU, RAM und Speicherplatz stehen exklusiv für Ihre WordPress-Installation zur Verfügung. Das bedeutet: schnellere Ladezeiten, stabile Performance auch bei Traffic-Spitzen und keine Beeinträchtigung durch andere Nutzer auf demselben Server.
Sicherheit und Datenschutz
Mit einem eigenen Server haben Sie die volle Kontrolle über Sicherheitsmaßnahmen. Sie bestimmen Firewall-Regeln, SSH-Zugänge, Verschlüsselungsstandards und Backup-Strategien. Gerade für Unternehmen, die personenbezogene Daten verarbeiten, ist diese Kontrolle im Hinblick auf die DSGVO ein entscheidender Vorteil.
Voraussetzungen für das WordPress Self-Hosting
Damit WordPress reibungslos auf einem VPS läuft, sollten folgende Mindestanforderungen erfüllt sein:
- Betriebssystem: Ubuntu 22.04 LTS oder Debian 12 (empfohlen)
- Webserver: Apache 2.4 oder Nginx
- PHP: Version 8.1 oder höher (aktuell empfohlen: PHP 8.2)
- Datenbank: MariaDB 10.6+ oder MySQL 8.0+
- RAM: Mindestens 1 GB, besser 2 GB oder mehr
- Speicherplatz: Ab 20 GB SSD-Speicher
- SSL-Zertifikat: Let's Encrypt (kostenlos)
Schritt 1: VPS bestellen und Betriebssystem aufsetzen
Der erste Schritt ist die Wahl eines passenden VPS-Anbieters. Bei fokus hosting bieten wir speziell für WordPress optimierte VPS-Pakete an, die bereits mit den richtigen Ressourcen ausgestattet sind. Alternativ können Sie bei einem beliebigen Provider einen VPS bestellen.
Nach der Bestellung erhalten Sie in der Regel eine IP-Adresse und Root-Zugangsdaten. Verbinden Sie sich per SSH mit Ihrem Server:
ssh root@ihre-server-ip
Aktualisieren Sie zunächst das System:
apt update && apt upgrade -y
Grundlegende Absicherung des Servers
Bevor Sie weitere Software installieren, sollten Sie den Server absichern. Erstellen Sie einen neuen Benutzer mit sudo-Rechten, deaktivieren Sie den Root-Login per SSH und richten Sie eine Firewall ein:
adduser wpadmin
usermod -aG sudo wpadmin
ufw allow OpenSSH
ufw allow 'Apache Full'
ufw enable
Installieren Sie außerdem Fail2Ban, um Brute-Force-Angriffe auf Ihren SSH-Zugang zu verhindern:
apt install fail2ban -y
systemctl enable fail2ban
Schritt 2: Apache Webserver installieren und konfigurieren
Apache ist der am weitesten verbreitete Webserver und bietet hervorragende Kompatibilität mit WordPress. Die Installation erfolgt mit einem einzigen Befehl:
apt install apache2 -y
systemctl enable apache2
Aktivieren Sie die für WordPress wichtigen Apache-Module:
a2enmod rewrite ssl headers expires
systemctl restart apache2
Das Modul rewrite ist besonders wichtig, da WordPress es für die hübschen Permalinks benötigt. Ohne dieses Modul funktionieren SEO-freundliche URLs nicht korrekt.
Virtual Host einrichten
Erstellen Sie eine neue Virtual-Host-Konfiguration für Ihre Domain. Diese Datei definiert, wie Apache Anfragen an Ihre WordPress-Installation weiterleitet:
<VirtualHost *:80>
ServerName ihre-domain.de
ServerAlias www.ihre-domain.de
DocumentRoot /var/www/wordpress
<Directory /var/www/wordpress>
AllowOverride All
</Directory>
</VirtualHost>
Schritt 3: MariaDB Datenbank einrichten
WordPress benötigt eine relationale Datenbank. Wir empfehlen MariaDB als leistungsstarke und vollständig kompatible Alternative zu MySQL:
apt install mariadb-server -y
mysql_secure_installation
Erstellen Sie anschließend eine Datenbank und einen Benutzer für WordPress:
CREATE DATABASE wordpress CHARACTER SET utf8mb4 COLLATE utf8mb4_unicode_ci;
CREATE USER 'wpuser'@'localhost' IDENTIFIED BY 'sicheres_passwort';
GRANT ALL PRIVILEGES ON wordpress.* TO 'wpuser'@'localhost';
FLUSH PRIVILEGES;
Verwenden Sie unbedingt ein starkes Passwort und notieren Sie sich die Zugangsdaten sicher. Diese benötigen Sie später bei der WordPress-Konfiguration.
Schritt 4: PHP installieren und optimieren
PHP ist die Programmiersprache, in der WordPress geschrieben ist. Installieren Sie PHP zusammen mit den von WordPress benötigten Erweiterungen:
apt install php8.2 php8.2-mysql php8.2-curl php8.2-gd php8.2-mbstring php8.2-xml php8.2-zip php8.2-intl php8.2-imagick libapache2-mod-php8.2 -y
PHP-Konfiguration anpassen
Für optimale WordPress-Performance empfehlen wir folgende Anpassungen in der php.ini:
| Parameter | Empfohlener Wert | Standard |
|---|---|---|
| upload_max_filesize | 64M | 2M |
| post_max_size | 64M | 8M |
| memory_limit | 256M | 128M |
| max_execution_time | 300 | 30 |
| max_input_vars | 3000 | 1000 |
Diese Werte sind besonders wichtig, wenn Sie große Mediendateien hochladen, umfangreiche Themes verwenden oder WooCommerce betreiben möchten.
Schritt 5: WordPress herunterladen und installieren
Laden Sie die aktuelle WordPress-Version herunter und entpacken Sie sie in das Webserver-Verzeichnis:
cd /var/www
wget https://de.wordpress.org/latest-de_DE.tar.gz
tar xzf latest-de_DE.tar.gz
chown -R www-data:www-data wordpress
chmod -R 755 wordpress
Erstellen Sie die wp-config.php basierend auf der Beispieldatei und tragen Sie Ihre Datenbankzugangsdaten ein. Generieren Sie außerdem frische Sicherheitsschlüssel über die offizielle WordPress-API.
Installation über den Browser abschließen
Rufen Sie Ihre Domain im Browser auf. Der WordPress-Installationsassistent führt Sie durch die letzten Schritte: Seitentitel festlegen, Administrator-Konto erstellen und die Installation abschließen. Nach wenigen Minuten ist Ihre WordPress-Installation einsatzbereit.
Schritt 6: SSL-Zertifikat mit Let's Encrypt einrichten
Ein SSL-Zertifikat ist heute Pflicht – sowohl für die Sicherheit Ihrer Besucher als auch für Ihr Google-Ranking. Mit Let's Encrypt erhalten Sie kostenlose SSL-Zertifikate:
apt install certbot python3-certbot-apache -y
certbot --apache -d ihre-domain.de -d www.ihre-domain.de
Certbot konfiguriert Apache automatisch für HTTPS und richtet eine automatische Verlängerung ein. Ihr Zertifikat wird alle 90 Tage automatisch erneuert.
Schritt 7: Backup-Strategie einrichten
Ein professionelles Backup-Konzept ist unverzichtbar. Wir empfehlen eine Kombination aus Datenbank-Backups und Datei-Backups. Erstellen Sie ein Backup-Script, das täglich ausgeführt wird:
mysqldump wordpress | gzip > /backup/db-$(date +%Y%m%d).sql.gz
tar czf /backup/files-$(date +%Y%m%d).tar.gz /var/www/wordpress/wp-content
Richten Sie einen Cronjob ein, der dieses Script automatisch ausführt, und übertragen Sie die Backups regelmäßig auf einen externen Speicher. Mehr dazu erfahren Sie in unserem ausführlichen WordPress Backup-Ratgeber.
Schritt 8: Performance-Optimierung
Ein VPS bietet hervorragende Möglichkeiten zur Performance-Optimierung, die über das hinausgehen, was auf Shared Hosting möglich ist:
Caching einrichten
Installieren Sie einen Objekt-Cache wie Redis, um Datenbankabfragen zu reduzieren:
apt install redis-server php8.2-redis -y
systemctl enable redis-server
In Kombination mit einem WordPress-Caching-Plugin wie WP Super Cache oder W3 Total Cache erzielen Sie deutlich schnellere Ladezeiten.
HTTP/2 und Komprimierung aktivieren
Aktivieren Sie HTTP/2 für parallele Datenübertragung und Gzip-Komprimierung, um die übertragene Datenmenge zu reduzieren. Diese Maßnahmen verbessern die Ladezeit Ihrer Website spürbar und wirken sich positiv auf Ihr Google-Ranking aus.
Wartung und laufender Betrieb
Ein selbst gehosteter WordPress-Server erfordert regelmäßige Wartung. Folgende Aufgaben sollten Sie einplanen:
- Tägliche Backups überprüfen und stichprobenartig testen
- Wöchentliche System-Updates für das Betriebssystem einspielen
- WordPress-Core, Themes und Plugins zeitnah aktualisieren
- Server-Logs auf ungewöhnliche Aktivitäten prüfen
- Speicherplatz und Ressourcen überwachen
- SSL-Zertifikat-Erneuerung kontrollieren
DIY vs. Managed WordPress Hosting: Der Vergleich
Die Entscheidung zwischen Self-Hosting und Managed Hosting hängt von Ihren technischen Kenntnissen, dem verfügbaren Zeitbudget und Ihren Anforderungen ab. Hier ein ehrlicher Vergleich:
| Kriterium | Self-Hosting (VPS) | Managed Hosting |
|---|---|---|
| Kontrolle | Volle Kontrolle über alles | Eingeschränkt auf WordPress |
| Technisches Wissen | Linux, CLI, Webserver erforderlich | Keine Vorkenntnisse nötig |
| Zeitaufwand | Setup: 2–4 Std., Wartung: 2–4 Std./Monat | Minimal, Provider übernimmt |
| Performance | Sehr gut, frei konfigurierbar | Gut, vom Provider optimiert |
| Kosten | Ab ca. 5 €/Monat (nur Server) | Ab ca. 10–15 €/Monat |
| Sicherheit | Selbst verantwortlich | Provider übernimmt Grundschutz |
| Skalierbarkeit | Flexibel, aber manuell | Oft automatisch |
Unser Tipp: Wenn Sie die Vorteile eines VPS nutzen möchten, aber keine Zeit für die Verwaltung haben, ist unser Managed-VPS-Paket die ideale Lösung. Wir übernehmen Setup, Wartung und Monitoring – Sie behalten die Kontrolle.
Häufige Fehler beim WordPress Self-Hosting
Aus unserer langjährigen Erfahrung bei fokus it solutions kennen wir die typischen Fehler, die beim Self-Hosting auftreten:
1. Fehlende Sicherheitsmaßnahmen
Viele Einsteiger vergessen grundlegende Absicherungen wie Firewall, Fail2Ban oder SSH-Key-Authentifizierung. Ein ungesicherter Server ist innerhalb von Stunden Ziel automatisierter Angriffe.
2. Kein automatisches Backup
Ohne regelmäßige, automatisierte Backups riskieren Sie den Verlust Ihrer gesamten Website. Richten Sie vom ersten Tag an eine Backup-Routine ein.
3. Vernachlässigte Updates
Sowohl das Betriebssystem als auch WordPress, Themes und Plugins müssen regelmäßig aktualisiert werden. Veraltete Software ist das häufigste Einfallstor für Hacker.
4. Falsche Dateiberechtigungen
Zu offene Berechtigungen (z. B. 777) stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Verzeichnisse sollten auf 755, Dateien auf 644 und die wp-config.php auf 600 gesetzt sein.
Wann lohnt sich ein eigener VPS für WordPress?
Ein eigener VPS lohnt sich besonders in folgenden Szenarien:
- Wachsende Websites mit steigendem Traffic, bei denen Shared Hosting an seine Grenzen stößt
- WooCommerce-Shops, die stabile Performance und schnelle Ladezeiten benötigen
- Mehrere WordPress-Installationen, die Sie zentral auf einem Server verwalten möchten
- Spezielle Anforderungen an PHP-Versionen, Caching oder serverseitige Anpassungen
- Datenschutz-sensible Projekte, bei denen Sie die volle Kontrolle über den Serverstandort benötigen
Für kleinere Blogs oder Einsteiger-Projekte empfehlen wir hingegen unsere Managed WordPress Hosting-Pakete, die einen sorgenfreien Betrieb ermöglichen. Lesen Sie auch unser WordPress Tutorial für Einsteiger, um die ersten Schritte mit WordPress kennenzulernen.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet es, WordPress selber zu hosten?
Ein VPS für WordPress beginnt bei ca. 5–10 € pro Monat. Hinzu kommen optional Kosten für eine Domain (ca. 10 € pro Jahr) und ein SSL-Zertifikat (kostenlos via Let's Encrypt). Bei fokus hosting erhalten Sie ein fertig konfiguriertes VPS-Paket ab 14,90 € monatlich.
Welche Vorteile hat Self-Hosting gegenüber Managed Hosting?
Self-Hosting bietet volle Kontrolle über Server-Konfiguration, Software-Versionen und Sicherheitseinstellungen. Allerdings tragen Sie auch die Verantwortung für Updates, Backups und Wartung. Managed Hosting nimmt Ihnen diese Arbeit ab.
Brauche ich Linux-Kenntnisse für WordPress Self-Hosting?
Grundlegende Linux-Kenntnisse sind empfehlenswert – etwa das Arbeiten mit der Kommandozeile, Dateiberechtigungen und Paketmanager. Unsere Anleitung führt Sie jedoch Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess.
Wie sichere ich meinen WordPress-VPS ab?
Wichtige Maßnahmen sind: regelmäßige System-Updates, Firewall-Konfiguration (UFW), SSH-Schlüssel statt Passwort-Login, Fail2Ban gegen Brute-Force-Angriffe, SSL-Verschlüsselung und regelmäßige Backups.
Kann fokus hosting meinen VPS für mich verwalten?
Ja, mit unserem VPS-Paket erhalten Sie einen vollständig eingerichteten und verwalteten Server. Wir übernehmen Setup, Updates, Monitoring und Backups – Sie kümmern sich nur um Ihre Inhalte.